Habe ich Bulimie? Das sind häufige Anzeichen dafür

In unserer Gesellschaft, wo die Darstellung eines perfekten Körpers viel zu oft und meist verzerrt im Mittelpunkt steht, gewinnt das Thema Essstörungen immer mehr an Bedeutung.

Bulimie, auch Bulimia nervosa oder Ess-Brech-Sucht genannt, ist eine Essstörung, die viel mehr als nur ein gesundheitliches Problem ist – sie ist ein stummer Schrei, ein tiefes seelisches Leiden, das von Aussenstehenden oft gar nicht bemerkt wird.


Was ist Bulimie (Ess-Brech-Sucht)?

Bulimie ist eine ernsthafte, potenziell lebensbedrohliche Essstörung, charakterisiert durch Zyklen von oft stundenlangen Fressanfällen, gefolgt von bewusst gewählten Handlungen zur Vermeidung von Gewichtszunahme.

Dies kann in Form von herbeigeführtem Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln, übermässiger körperlicher Betätigung oder auch ein Verzicht auf Nahrung über lange Zeit geschehen.

In einem weiteren Artikel, der hier bald erscheinen wird, gehe ich tiefer auf das Thema “Was ist Bulimie?” ein.

Wenn du dich für mögliche Ursachen der Bulimie interessierst, findest du in diesem Artikel weitere Informationen dazu.


Was sind die häufigsten Anzeichen für Bulimie?

Immer wieder werde ich gefragt, woran man erkennt, ob man selbst oder eine andere Person unter Bulimie leidet. Das ist in der Tat eine ganz wichtige Frage, denn manchen Menschen ist gar nicht bewusst, dass sie Bulimie haben.

Ich war selbst knapp 20 Jahre in der Bulimie gefangen und war mir dessen am Anfang überhaupt nicht bewusst. Es ist für Betroffene sehr wichtig, Bulimie möglichst früh zu erkennen – bevor die Krankheit die Kontrolle über das gesamte Leben übernimmt. Wenn du mehr zu meiner Geschichte lesen möchtest, dann klicke hier.

Im Folgenden habe ich einige der häufigsten Anzeichen für Bulimie zusammengefasst, die mir in meiner bisherigen Tätigkeit als Mentorin für Frauen mit Bulimie, in der ich bereits über 400 Frauen auf ihrem Weg aus der Bulimie begleitet habe, begegnet sind. Solltest du dich oder eine Person in deinem Umfeld in diesen Verhaltensmustern wiedererkennen, ist es auf jeden Fall ratsam, sich jemandem anzuvertrauen und sich professionelle Unterstützung zu suchen:

  1. 1
    Dauerhafte Beschäftigung mit dem Thema Essen: Eine übermässige Fixierung auf Nahrung, Kochen und Essen kann weit über ein gesundes Interesse an Ernährung hinausgehen. Diese Obsession mit Essen und Kalorien kann sich zu einem dominierenden Aspekt im Leben der Betroffenen entwickeln und die Fähigkeit, eine ausgewogene und gesunde Beziehung zum Essen zu haben, wird immer schwerer.
  2. 2
    Unkontrollierbare Fressanfälle: Diese Anfälle sind oft von einem Gefühl von Macht und gleichzeitigem Kontrollverlust begleitet. Die betroffenen Personen konsumieren in sehr kurzer Zeit grosse Mengen an Nahrung, was im Nachhinein oft mit Gefühlen von Scham und Schuld verbunden ist.
  3. 3
    Kotzen nach dem Essen: Das Erbrechen nach diesen Fressanfällen, aber auch oft nach jeder normalen Mahlzeit, ist eine Methode, um mit der Angst vor Gewichtszunahme umzugehen. Wenn dieses Verhalten zum Normalzustand wird, leidest du unter Bulimie.
  4. 4
    Fremdwahrnehmung über das eigene Essverhalten: Wenn du versuchst, dein Essverhalten vor anderen zu verheimlichen und immer weniger in Gesellschaft essen möchtest, dann ist das ein klares Anzeichen einer Essstörung.
  5. 5
    Genuss beim Essen: Wenn du merkst, dass du das Essen nicht mehr geniessen kannst, dir keine Zeit zum Essen nimmst, du die Nahrung nicht mehr bewusst schmecken kannst und kein Sättigungsgefühl mehr hast, dann solltest du auf jeden Fall genauer hinschauen.
  6. 6
    Schuldgefühle nach dem Essen: Starke Schuld- und Schamgefühle nach dem Essen sind sehr häufig bei Personen mit Bulimie. Diese Gefühle können überwältigend, erschreckend und einschränkend sein und tragen oft zu einem Zyklus von Essstörungen bei, der immer schwerer zu durchbrechen ist.
  7. 7
    Starker Wunsch nach Schlankheit: Das Streben nach einem idealisierten, dünnen Körperbild kann so intensiv werden, dass es zum zentralen Lebensinhalt wird. Dieses Streben geht oft mit einem total verzerrten Selbstbild und ungesundem Verhaltensweisen einher.
  8. 8
    Kalorien verbrennen beim Sport: Übermässige, gar exzessive sportliche Aktivitäten, insbesondere mit dem Ziel, Kalorien des vorgängigen Essens schnellstmöglich wieder loszuwerden, können ein Warnsignal sein. Hier steht nicht die Freude an Bewegung im Vordergrund, sondern der Drang, Gewicht zu verlieren. Auch die bewusste und dauerhafte Einnahme von Abführmitteln ist ein Mittel der Kompensation, das bei Bulimie häufig vorkommt. Hier sollte ebenfalls dringend Hilfe gesucht werden
  9. 9
    Fremdwahrnehmung des eigenen Körpers: Personen mit Bulimie haben häufig eine total verzerrte Wahrnehmung ihres eigenen Körpers. Sie sehen sich selbst als zu dick, auch wenn dies objektiv absolut nicht der Fall ist. Sie bewerten und vergleichen sich sehr oft und sind total unzufrieden mit und in ihrem Körper.

 




Jeder Mensch ist unterschiedlich – genau wie die Anzeichen für Bulimie

Es ist wichtig zu verstehen, dass nicht alle von diesen möglichen Anzeichen bei jedem Betroffenen auftreten. Jeder Mensch ist einzigartig, und so auch die Ausprägung dieser Essstörung. Was bei dem einen offensichtlich ist, kann sich bei jemand anderem völlig anders ausdrücken.

Der Schlüssel liegt darin, aufmerksam und ehrlich mit sich selbst zu sein, empathisch zu reagieren und Hilfe zu suchen, wenn man merkt, dass man selbst oder jemand in der Nähe diese Muster zeigt und immer tiefer darin gefangen ist.


Ab wann leidet man an Bulimie?

Das ist eine schwierige und nicht einfach zu beantwortende Frage.

Ich würde sagen:

  • Wenn das Thema Essen den Alltag dominiert
  • Wenn man sich selbst das, was man eigentlich gerne essen würde, verwehrt
  • Wenn man im Kopf kontrolliert und bestimmt, was und wie viel man essen “darf”
  • Wenn eine spontane Einladung zum Essen mit Freunden immer seltener möglich ist
  • Wenn man ständig Ausreden hat, um nur nicht mit anderen Personen zusammen essen zu müssen
  • Wenn man sich Regeln setzt und Nahrungsmittel in “erlaubt” und “verboten” eingeteilt werden
  • Wenn die Gedanken unaufhörlich um die Art und Menge der Nahrung kreisen

…all das und vieles mehr kann ein Signal für Bulimie sein. 

Wenn das Essen nicht mehr als Genuss erlebt wird, du dich von den Gedanken rund um das Essen regelrecht gefangen fühlst und kein Sättigungsgefühl mehr wahrnimmst, wenn du dich nicht mehr frei fühlst, wenn du Einladungen zu spontanen Essen vermeidest und nicht mehr unbeschwert auswärts essen gehst, dann sind das deutliche Warnsignale, die du nicht übersehen solltest.

Und natürlich und absolut offensichtlich, wenn du regelmässig nach dem Essen die nächste Toilette aufsuchst, um zu kotzen. 

Diese Muster können sich schleichend entwickeln. Häufig beginnt es mit dem Gefühl, zu viel gegessen zu haben, worauf mit erzwungenem Erbrechen, exzessivem Sport oder Missbrauch von Abführführmitteln reagiert wird. Solche Verhaltensweisen können sich verstärken – sowohl in ihrer Häufigkeit als auch in der damit verbundenen emotionalen Abhängigkeit, einer immer grösser werdenden Belastung und Einschränkung im Alltag durch die limitierenden und beherrschenden Gedankenmuster.

Solltest du erkennen, dass es dir schwerfällt, mit diesem Verhalten aufzuhören, solltest du das sehr ernst nehmen! Suche dir möglichst bald Unterstützung bei einer vertrauensvollen Person, die dir dabei hilft, einen Weg aus diesem Zwangsverhalten zu finden.


Woran erkenne ich, dass eine mir nahestehende Person unter Bulimie leidet?

Wenn du den Verdacht hast, dass eine Person aus deiner Familie oder deinem Bekanntenkreis unter Bulimie leidet, solltest du aufmerksam für Veränderungen im Verhalten deiner Angehörigen sein. Wenn du beispielsweise feststellst, dass dein Kind oder Partner nach den Mahlzeiten oft und rasch den Raum verlässt, um zur Toilette zu gehen, könnte dies ein erster und ernst zu nehmender Hinweis sein.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass nicht jeder, der sich nach dem Essen kurz zurückzieht, zwangsläufig an Bulimie leidet! Falls dir zusätzlich auffällt, dass die Person verhältnismässig viel isst und dennoch sehr schlank erscheint, lohnt es sich, genauer hinzusehen. Auch Stimmungsschwankungen - aus dem Nichts heraus und für dich nicht nachvollziehbar - können Anzeichen dafür sein.

Du kannst mit ihnen ganz achtsam über deine Wahrnehmungen sprechen, Fragen stellen und ihnen Hilfe anbieten, wenn sie das wünschen. Setze sie dabei nicht unter Druck oder bewerte die Situation bzw. ihr Verhalten. Das wird dazu führen, dass sich die Person von dir bedroht fühlt und sich von dir abwendet, da du für sie nun “gefährlich” bist, weil du ihr Geheimnis und ihre für sie totale Unperfektheit entdeckt hast. Lass ihr Zeit und Raum und signalisiere ihr, dass du für sie da bist, wenn sie etwas braucht und du sie liebst, so wie sie ist. 

Es ist ganz wichtig, dass du dir als Angehöriger selbst Unterstützung suchst und für dich selbst Hilfe annimmst, um dich zu schützen, aber auch um zu verstehen, wo du helfen kannst und wo die betroffene Person die Schritte selbst gehen muss. Wenn du gerne an einem Call für Angehörige teilnehmen möchtest, findest du hier weitere Informationen dazu.


Der Weg aus der Bulimie

Der Weg aus der Bulimie ist ein Prozess, der Zeit, Geduld und oft professionelle Hilfe erfordert. Der erste Schritt ist das Erkennen der Problematik und der Wunsch nach Unterstützung. Dies kann ein Arzt, ein Therapeut oder eine Selbsthilfegruppe sein. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass man nicht allein ist und dass Hilfe verfügbar und erreichbar ist.

In unserer Gesellschaft, in der so viel Wert auf das Äussere gelegt wird, ist es essenziell, dass wir lernen, uns selbst und anderen mit mehr Mitgefühl und Verständnis zu begegnen. Bulimie ist nicht nur ein individuelles Problem, sondern ein Spiegelbild unserer Gesellschaft und ihrer Werte. Indem wir aufmerksam und informiert sind, können wir einen Unterschied machen und denjenigen helfen, die unter diesem Zwangsverhalten leiden.

Zusammenfassend ist es entscheidend, die Anzeichen von Bulimie möglichst früh zu erkennen und zu verstehen, dass sie viel mehr als nur die Essgewohnheiten betreffen – sie spiegeln durch das kontrollierte Essverhalten viel tiefer liegende emotionale und psychologische Konflikte im Inneren wider. 

Indem wir dieses Wissen verbreiten, können wir einen Raum schaffen, in dem ein Ausweg möglich wird und in dem diejenigen, die leiden, nicht länger im Verborgenen leiden müssen. 

Wenn du jemanden suchst, der dir dich wirklich versteht, der weiss, wie es dir geht, wie du dich fühlst, jemand der dir zuhört und wenn du wissen möchtest, welches deine ersten ganz konkreten Schritt auf dem Weg aus der Bulimie sein können, dann buche dir jetzt gleich einen Termin für dein einmalig kostenloses Freiheitsgespräch und wir schauen genau da hin: 

Mein Team und ich freuen uns auf dich und zeigen dir, wie auch du den Weg zurück in ein freies, glückliches, erfülltes und selbstbestimmtes Leben gehen kannst!

Für Angehörige finden ebenfalls regelmässige Calls statt. Hier findest du weitere Infos dazu.


Von Herzen alles Liebe


Video: Typische Anzeichen von Bulimie

Kundenstimmen

Beate, 20 Jahre Bulimie

Yogalehrerin und Fahrrad-Guide

“Ich bin kein Opfer der Bulimie und muss nicht damit leben - auch wenn mir das mein Kopf ständig eingeredet hat.”

Herausforderung

War über 20 Jahre in der Bulimie gefangen. Wenn ich jetzt nichts verändere, bricht meine Familie auseinander.

Ziel

Ich möchte frei werden von der Bulimie und ein glücklicheres Leben führen.

Ergebnis

Ich übernehme mehr und mehr die Verantwortung und geniesse das Leben so wie ich mir das nie hätte vorstellen können.

DEIN WEG AUS

DER BULIMIE


E-BOOK / AUDIO: DEIN WEG AUS DER BULIMIE


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